Worauf Sie beim Kauf von Babysachen und Kinderspielzeug achten sollten

Rückrufaktionen und das Auffinden von giftigen Schadstoffen in Produkten für Babys und Kinder haben Verbraucher und Hersteller wach gerüttelt. Beim Spielzeugkauf bleibt aber immer eine gewisse Verunsicherung bestehen, egal ob das Spielzeug nun pädagogisch wertvoll ist, oder nicht. Mit diesen Tipps, Informationen und einer kleinen Checkliste wollen wir Ihnen möglichst hohe Sicherheit beim Kauf von Baby- und Kindersachen bzw. von Kinderspielzeug geben.

Alle Produkte mit denen Kinder direkt in Kontakt kommen (können), oder die sich häufig in ihrer unmittelbarer Nähe befinden, sollte man gewissenhaft kaufen.

Das betrifft folglich Babysachen und Kinderkleidung, ebenso wie Autokindersitze und Kinderwagen und die gesamte Einrichtung des Spiel- und Kinderzimmers: Möbel, Wände, Decken, Lampen, Bodenbeläge, Gardinen, Türen und Fenster…

Kindersachen online kaufen oder im Fachgeschäft?

Sie werden in der nachfolgenden Checkliste sehen, dass Sie nicht alle Spielsachen und Produkte für Ihre Kleinen online kaufen sollten. Wenn Sie das Produkt kennen, oder dem Herstellen vertrauen ist der Onlinekauf natürlich problemlos möglich. Viele Hersteller bzw. Markenprodukte haben hohe Qualitätsstandards. Beispielweise hat der Spielzeughersteller LEGO, eine absolute Kultmarke im Bereich Spielsachen, schon seit 1932 unverändert den Leitspruch „Nur das Beste ist gut genug“ und beweist hohe Qualität durch Langfristigkeit und eine riesige Fangemeinde. Fragen Sie also im Zweifel andere Eltern oder Leute die das Spielzeug vor Ihnen schon gekauft haben. Falls Sie ein Produkt einer unbekannten Marke kaufen wollen, ist der Weg in den Laden besser, es sei denn, Sie finden im Online-Shop beim entsprechenden Produkt genügend gute und glaubwürdige Kundenmeinungen dazu. Im Laden können Sie einen Fachverkäufer sprechen und die Produkte meistens anfassen, dran riechen und ggf. sogar testen.

Sind Produkte aus Kunststoff gesundheitlich bedenklich?

Nein, meistens nicht und oft gibt es auch gar keine sinnvolle Alternative, worauf wir gleich noch eingehen werden. Dennoch sollten Sie immer auf den verwendeten Kunststoff achten. Die Art des Kunststoffs ist meistens als Ziffer 1 bis 8 auf dem Spielzeug angegeben. Merken Sie sich nur die Nummer 3. Denn die steht für PVC. Wegen der schädlichen Weichmacher ist PVC für Babys und Kindern, eigentlich auch für Mensch und Tier ganz allgemein, gesundheitsgefährdend und daher nicht empfehlenswert. Alle anderen Kunststoffe gelten derzeit als unbedenklich. Produkte aus PVC (Nummer 3) sollten also auf jeden Fall gemieden werden. Ebenso sollten Sie darauf achten, das die Chemikalie „Bisphenol A“, die landläufig auch gerne mal als Weichmacher bezeichnet wird, nicht enthalten ist. Diese Substanz würden deutsche Verbraucherschützer gerne offiziell verboten sehen, da sie besonders die Gesundheit von Kindern gefährdet. Leider wird erschreckender-weise Bisphenol A häufig in Babyflaschen und Konservendosen verwendet. Achten Sie also auf den Hinweis „Ohne Bisphenol A“.

Aber auch in Gummigriffen bei Fahrrädern oder Dreirädern, in Gummireifen und anderen Gummiteilen können giftige Stoffe stecken. Die in Deutschland empfohlenen Richtwerte für “Polyzyklische Aromatische Kohlenwasserstoffe“ (PAK), die in Gummi- und Kunststoff-Produkten als Weichmacher dienen, werden von Herstellern leider häufig ignoriert. PAK stehen im Verdacht, das Erbgut zu verändern, Krebs erzeugend zu sein und die Fortpflanzung zu beeinträchtigen. Besonders gesundheitsgefährdend sind mit PAK belastete Produkte, wenn sie länger mit der Haut in Berührung kommen. Alleine das Anfassen eines PAK-belasteten Griffs kann folglich zu einer Gesundheitsschädigung führen. Gutes Spielzeug und beispielsweise Gummistiefel riechen insgesamt immer neutral.

Viele Spielsachen sind sinnvollerweise aus Kunststoff und nicht beispielsweise aus Holz hergestellt.

Bei Spielzeug für das Wasser, für den Sandkasten oder den Strand, Puppen, Tretautos (waren früher aus Metall, heute meistens aus Kunststoff, als Oldtimer aber auch wieder aus Metall zu haben) und den ersten Bausteinen zum Zerstören von Türmen ist Kunststoff gut geeignet. Es ist beständiger bei Feuchtigkeit und ist wesentlich leichter als Holz oder Metall. Bei Metallspielzeug und auch bei Holzspielzeug sollte Sie unbedingt auf die verwendeten Farben und Lacke achten, da diese sehr gesundheitsgefährdend sein können. Einerseits kann man hier seine Nase einsetzen um lösungsmittelhaltige Gerüche zu erschnuppern. Ebenso können sich aber beim Spielen oder beim Draufherumkauen kleine Lackpartikel und Splitter ablösen die gesundheitsgefährdend sein können.

Welche Prüfzeichen und Gütesiegel haben Aussagekraft?

Das GS-Zeichen und die CE-Kennzeichnung sind die einzig gesetzlich geregelten Prüfzeichen in Europa für Produktsicherheit. Auf dem deutschen Spielzeugmarkt tummeln sich aber dennoch eine Vielzahl von Siegeln und Prüfzeichen, die jedoch in Bezug auf Schadstoffgehalt und Umweltverträglichkeit meistens nur wenig helfen.

CE-Zeichen

Das „CE-Zeichen“ müssen zwar alle Spielzeuge auf dem deutschen Markt tragen, allerdings wird dieses „Prüfzeichen“ vom Hersteller oder Importeur eigenverantwortung selbst vergeben. Viele bedenkliche Produkte tragen leider das CE-Zeichen, so dass es alleine keinerlei Aussagekraft hat. Insbesondere über Schadstoffbelastungen sagt dieses „Siegel“ so gut wie nichts aus.

GS-Zeichen

Beim „GS-Zeichen“, das für „geprüfte Sicherheit“ steht, sieht es schon wesentlich anders aus, weil eine zugelassene und unabhängige Prüfstelle die Einhaltung europäischer Sicherheitsnormen prüft. Gerade bei Kinderspielzeug ist es wichtig, das eine Prüfung der regelmäßigen Nutzung und Abnutzung durchgeführt wird. Das „GS-Zeichen“ sagt also auch etwas über die Strapazierfähigkeit des Produkts aus. Schlechte Entflammbarkeit und mechanische Sicherheit können dabei ein Prüfkriterium sein. Dieses Siegel gilt für maximal 5 Jahre, sagt allerdings nichts über Schadstoffe aus.

VDE-Zeichen

Bei allen Spielsachen die mit Batterien, Akkus oder direkt über die Steckdose betrieben werden kann das „VDE-Zeichen“ helfen, um ein gutes und sicheres Spielzeug zu kaufen. Das VDE-Zeichen“ wird vom Verband der Elektrotechnik, Elektronik und Informationstechnik e.V. vergeben. Es signalisiert dem Käufer die elektronische Sicherheit eines Produkts bei sachgemäßem Gebrauch. Da Kinder allerdings eine blühende Fantasie entwickeln können, sollte man als Eltern oder Betreuer bei Elektronikspielzeug ebenso auf einen vernünftigen Spielbetrieb achten wie bei allen anderen Spielzeugen es auch der Fall sein sollte.

LGA-Zeichen

Die Landesgewerbeanstalt Bayern vergibt das „LGA-Zeichen“, welches die Einhaltung der EU-Norm sowie darüber hinausgehende Anforderungen, wie Prüfungen auf Weichmacher und Azofarbstoffe garantiert.

TÜV-Siegel

Der TÜV Rheinland vergibt das „TÜV-Siegel“, welches mit dem LGA-Zeichen vergleichbar ist.

OEKO-TEX® Standard 100

Der „OEKO-TEX® Standard 100″ ist ein unabhängiges Prüf- und Zertifizierungssystem für textile Roh-, Zwischen- und Endprodukte aller Verarbeitungsstufen. Dieses Prüfzeichen beschreibt die Einhaltung von Grenzwerten für Textilien in Bezug auf gesundheitsgefährdende Schadstoffe.

Weitere Siegel

Natürlich gibt es viele weitere Siegel, die meisten beziehen sich jedoch auf Auszeichnungen wie Spiel des Jahres oder andere pädagogische Tests und Wettbewerbe. Über die Sicherheit sagen diese Zeichen i.d.R. nichts aus. Bei der Kaufentscheidung kann eine derartige Auszeichnung aber durchaus hilfreich sein.

Checkliste zum Kauf von Baby- und Kindersachen

  • Bekannte Marke / Hersteller
  • Empfohlene Altersangabe vom Hersteller
  • Gewicht
    des Produkts und des Kindes
  • Kleinteile
    lose bzw. leicht lösliche oder abbrechbare Teile die verschluckt werden könnten
  • Neutraler Geruch
  • Farbe
  • Form
    Ecken und Kanten / ggf. Form von Einzelteilen
  • Lautstärke
  • Batterien
    Prüfen ob überhaupt notwendig, falls ja: auch die Verwendung von Akkus möglich?
  • Waschbarkeit
  • Reparaturfreundlichkeit
  • Verarbeitung / Stabilität
  • Haptik
  • Spielwert
  • Kunststoffe
    – PVC-frei, also keine Nr. 3 bei den verwendeten Materialien
    – frei von Bisphenol A
  • Gummi-Teile
    möglichst geringe PAK-Konzentration
  • Vorhandene Prüfzeichen
    – CE-Zeichen
    – GS-Zeichen
    – VDE-Zeichen
    – LGA-Zeichen
    – TÜV-Siegel
    – OEKO-TEX® Standard 100

 

Diese kleine Checkliste zum Kinderspielzeugkauf können Sie sich kostenlos als PDF herunterladen und ausdrucken.

Fazit

Trotz einer Reihe von unterschiedlichen Siegeln und Prüfzeichen helfen diese Verbrauchern kaum in Bezug auf Schadstoffgehalt und Umweltverträglichkeit. Bei allen Produkten für Babys und Kinder brauchen Sie also beim Kauf folgendes: Ihr Gehirn bzw. Ihren gesunden Menschenverstand. Ihre Augen, Ihre Nase, Ihre Ohren und Ihre Hände. Damit können Sie in vielen Fällen selbst die Qualität von Kinderspielsachen schnell und relativ sicher einschätzen. Und im Zweifelsfall verlassen Sie sich auf Ihr Bauchgefühl!

Ordentliches Spielzeug und gute Kindersachen sind geruchsneutral. Riechen Sie also unbedingt an allen Kunstoff- und Gummiteilen, vor allen Dingen an denen, die in die Hand und in den Mund genommen werden könnten. Beim Spielzeugkauf nehmen Sie sich die Checkliste mit und prüfen Sie in aller Ruhe das Produkt. Wenn das mit Kind nicht möglich ist, verschaffen Sie sich besser vorab alleine einen Überblick über die infrage kommenden Produkte und geben Sie Ihren Kindern nur noch diese zur Auswahl. Recherchieren Sie im Internet nach Testberichten oder Erfahrungen anderer Eltern und Käufer eines bestimmten Spielzeugs, um Ihre Kaufentscheidung abzusichern.

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